Das Zentrum von Buenos Aires hat auch schon mal besser ausgesehen! Irgendwie wirkt die Stadt abgefuckt, heruntergekommen und entbehrt dabei jeglichem Flair. In der Florida, einer langen Fussgängerzone reihen sich fantasielose Kitschläden an noch fantasielosere Kleiderläden. Dazwischen lümmeln schlecht gelaunte Gestalten herum, welche völlig unmotiviert versuchen irgendwelche Tangoshows, Lederwaren oder ein Mittagsmenü zu vermitteln.
Aber wir sind ja auch nicht hier, um Buenos Aires zu besichtigen - oder besser gesagt - um Buenos Aires willen. Dies ist einfach nur die Stadt, von wo aus unser Schiff nach Europa ablegt, ansonsten wären wir ziemlich sicher nicht bei 36 Grad hier her gefahren. Nun sind wir aber da und mussten einmal mehr unser Auto für drei Tage in die Obhut des Zolls geben. Aber mehr dazu später. Nach einigen Zeilen zu unserer Fahrt von Esquel nach Buenos Aires.
Nach vier sehr, sehr schönen Tagen im Parque Nacional Los Alerces fahren wir nach Esquel. Eine kleine, aber sehr nette Stadt und der ideale Einstieg in die Zivilisation nach drei Wochen Carretera Austral und Los Alerces. Wieder führte uns die Routa 40 nach El Bolson und auf dem Weg dahin schliesst sich der Kreis unserer Patagonienrunde, welche wir vor fast drei Monaten begonnen haben.
El Bolson ist... na ja.. einfach voll! Unglaublich. Wo kommen alle diese Leute her. Uns schien, dass ganz Argentinien in El Bolson Urlaub machte. War dies vor knapp drei Monaten noch eine verschlafene, ruhige Stadt, ist es nun der argentinische Ballermann! Gewusel bis in die Nachtstunden und auf den Strassen jede Menge argentinische Männer aller Altersgruppen welche dem beeindrucktem Publikum stolz und ohrenbetäubend ihre neuesten offene Auspüffe präsentieren.
Mal ehrlich. In einem sind sich Deutsche, Amis und Argentinier ziemlich ähnlich. Also die Männer natürlich. Das Auto ist ihr liebstes Kind. Interessant ist, wie verschieden das ausgelebt wird. Am sympathischsten machen das die Amis. Für sie ist das Auto zwar die heilige Kuh, muss gross sein und möglichst viele fossile Brennstoffe vernichten... aber irgendwie machen sie das unaufgeregt. Sie fahren bedacht, machen dabei keinen Lärm und nerven niemanden. Ein wenig anders die Deutschen. Sie sind mit Recht stolz auf die hervorragende Technik ihrer fahrbahren Untersätze, verlieren aber auf der Autobahn angesichts der 20 schützenden Airbags und zu vielen PS manchmal jegliches Verhältnis zur Physik. Sympathisch dabei ist, dass die Autos nicht nur sicherer, sondern auch leiser werden.
Sehr unsympathisch zelebrieren die Argentinier dagegen ihre Mobilität. Da man auch einen alten Kleinwagen mit wahnwitziger Geschwindigkeit durch eine Stadt voller Touristen prügeln kann, beschränken sie sich darauf ihren Lieblingen einen möglichst lauten Auspuff zu verpassen. Da eine solche Anschaffung ständig amortisiert werden muss, wird der Motor bei jeder sich bietenden Gelegenheit auf Touren gebracht. An der Ampel, beim Ein - und Ausparken oder beim Fahren in der Kolonne. Kupplung rein, Gas auf. Und nein. Es sind nicht picklige Jungs vom Lande, JEDER tut es! Versucht man sie darauf anzusprechen stösst man auf Unverständnis. Klar, jeder Argentinier sei im Grunde ein Rennfahrertalent und müsse diesem Talent natürlich jederzeit und überall gerecht werden. Und das gehe nun mal nur mit der richtigen Geräuschkulisse und Vollgas. Klar - oder?!
Wir verlassen das röhrende und mit 34 Grad zu heisse El Bolson und rutschen nochmals via Bariloche rüber nach Chile. Zufällig finden wir am Lago Llanquihue in Puerto Octay ein wunderbares Plätzchen direkt am See. Die nächsten Woche bleiben wir hier. Wunderbare Temperaturen, ab und zu im See schwimmen und fünf kleine Supermercados im Ort zu Fuss erreichbar. Wir sind glücklich, der perfekte Ort um die Reise schon mal ein wenig abzuschliessen. Natürlich hält die Ruhe nicht lange. Wir lesen gerade friedlich als mal wieder ein weisser Ford Transit aus Bern auf unser heiliges Plätzchen rollt. Hätten wir ihnen die GPS Daten nicht geben sollen...?! Die nächsten drei Tage verbringen wir mit Ursi und Peter, essen Raclette, schwimmen und bereiten uns Mental auf die Hitze in Buenos Aires vor.
Doch noch sind es drei Wochen bis zur Verschiffung und wir haben eine geplante Rundreise nach Nordargentinien, Iguazu und Urugay längst gekippt. Angesichts 40 Grad da oben wissen wir, dass das nichts für uns ist. Schade. Ich wäre gerne nochmals durch die Berge bei Florianopolis gefahren, aber so wäre für uns jede Minute eine Qual. Also fragen wir bei Ricardo an, ob eines seiner Häuser noch frei ist und ziehen wenig später in ein kleines Häuschen am Waldrand ein. Die nächsten zwei Wochen geniessen wir die kühlen Wälder, die Ruhe und nehmen so Abschied von Südamerika und von der Reise.
Dann geht es schnell. Eines morgens fahren wir in Pucon ab und rutschen in drei Tagen die 1800 Kilometer nach Buenos Aires. Unterwegs geniessen wir die letzten freien Übernachtungen und werden mit schönen und ruhigen Plätzen belohnt. Nicht so schön sind 38 Grad in der Pampa. Wir fahren um fünf in der Früh los, machen nachmittags Siesta und hängen Abends noch ein paar Stunden ran. Etwa eine Stunde vor Buenos Aires finden wir an einem See einen wunderbaren Platz, der letzte der Reise! Wieder sind wir sehr früh unterwegs und stehen noch vor dem grossen Morgenverkehr um sieben auf einem bewachten Parkplatz am Hafen von Buenos Aires.
Will man mit Grimaldi sein Auto verschiffen, hat man einige Tage vor dem Verschiffungstermin in Buenos Aires zu erscheinen und mit der Agentur vor Ort Kontakt auf zu nehmen. Diese sind dann dafür verantwortlich, dass man alle nötigen Infos erhält, wann man wo sein muss um an Bord zu gelangen. Das haben wir natürlich gemacht und uns schon eine Woche vor der Verschiffung bei Martin von Grimaldi gemeldet. Wir Schweizer, wir. Alles klar, das Schiff gehe am 21. Februar, er maile uns kurz vorher alle nötigen Daten durch.
Tage vergehen und wir erfahren am Freitag per Zufall, dass ein langes Wochenende ansteht. Karneval. Von Samstag bis Mittwoch alles dicht. Da wir uns auf dem Kontinenten befinden, auf welchem nur das gelingt, was man selbst anpackt, melde ich mich bei Martin ob das einen Einfluss auf unsere Verschiffung habe.
Natürlich hat es. Plötzlich heisst es, dass wir am Samstag 0830 Uhr am Hafen sein müssen und das Auto bis zur Abfahrt des Schiffes am Dienstag dort stehen lassen müssen. Warum? Weil der Zoll nur noch bis Samstag Mittag arbeitet, dann erst am Mittwoch wieder... hastetöne?!
Wir fluchen und ärgern uns gebührlich, aber es bringt nichts. Es lo que hay... sagen wir seit längerem.. es ist, was es gibt!
Also stehen wir pünktlich um 0830 am Hafen... und warten. Kurz nach uns tuckern zwei Motorräder an, Bob und Dave, welche auch mit uns verschiffen werden. Nach und nach rollen noch einige Reisemobile an, sie alle verschiffen heute, ein Schiff vor uns. Wir beneiden sie darum!
Nur zwei Stunden später erscheint endlich der Agent von Grimaldi. Nicht dass es ihn kümmert ein dutzend zahlende Kunden warten zu lassen. Nein, das kann man ihm sicher nicht nachsagen. Ich kann mir aber leibhaftig vorstellen, wie er reagieren würde, wenn man IHN so lange in der Sonne stehen lassen würde. Ich schlucke meinen Ärger runter und murmle mein Beruhigungsmantra „es stört nur mich, es stört nur mich, auf diesem Kontinenten kümmert das sonst niemanden, nur mich... „
Dann geht es relativ rassig. Wir warten noch ein wenig, dann fahren wir ein wenig im Hafen herum. Warten nochmals ein wenig vor einem mobilen Scanner, dann dürfen wir zur Mole fahren. Dort stellen wir den Sprinter ab und seufzen. Was solls. Wir haben alles einigermassen wertvolle raus genommen und die Heckflügeltüren von innen mit drei Schlössern vermacht. Mehr geht nicht. Mal sehen, ob der Hafen in Buenos Aires sicherer ist.
Morgen früh geht es auf‘s Schiff. Dann werden wir drei oder vier Wochen auf hoher See sein bis wir irgendwann im März in Hamburg wieder an Land gehen werden. Egal was noch kommt, wir freuen uns auf die Seereise und wir freuen uns auf unsere Zickzacktour durch Deutschland wo wir viele liebe Freunde besuchen werden!
Mal sehen, was es von so einer Frachtschiffreise zu berichten gibt. Ach ja, wer unsere Reise verfolgen will kann das hier:
http://www.marinetraffic.com/ais/de/shipdetails.aspx?MMSI=247091500
und in der Suchfunktion nach der Grande San Paolo suchen
hier kann man dann auf „aktuelle Schiffroute“ klicken und sieht dann das Schiff mehr oder weniger in Echtzeit auf google maps. Die Signale werden via AIS übermittelt, kann manchmal ein paar Stunden oder sogar Tage hinter her hinken.

