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    <title>        &#13;</title>
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      <title>Km 60 230 - Puerto Natales - Torres del Paine - El Calafate - Perito Moreno - El chalten - Routa 40 - Paso Roballos - Cochrane - Carretera Austral - Futaleufu - Los Alerces</title>
      <link>http://www.bigbreak.ch/bigbreak/Logbuch/Eintr%C3%A4ge/2012/1/5_Km_60_230_-_Puerto_Natales_-_Torres_del_Paine_-_El_Calafate_-_Perito_Moreno_-_El_chalten_-_Routa_40_-_Paso_Roballos_-_Cochrane_-_Carretera_Austral_-_Futaleufu_-_Los_Alerces.html</link>
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      <pubDate>Thu, 5 Jan 2012 17:02:23 -0300</pubDate>
      <description>&lt;a href=&quot;http://www.bigbreak.ch/bigbreak/Logbuch/Eintr%C3%A4ge/2012/1/5_Km_60_230_-_Puerto_Natales_-_Torres_del_Paine_-_El_Calafate_-_Perito_Moreno_-_El_chalten_-_Routa_40_-_Paso_Roballos_-_Cochrane_-_Carretera_Austral_-_Futaleufu_-_Los_Alerces_files/IMG_2213.jpg&quot;&gt;&lt;img src=&quot;http://www.bigbreak.ch/bigbreak/Logbuch/Media/object003_1.png&quot; style=&quot;float:left; padding-right:10px; padding-bottom:10px; width:160px; height:121px;&quot;/&gt;&lt;/a&gt;Ein gemütliches Plätzchen haben wir gefunden. Neben einer kleinen, weissen Kapelle, weg vom Rummel des Parque National los Alerces. Eigentlich wollten wir ja den Wasseranschluss neben der Kapelle nutzen, unseren Sprinter in einer grösseren Aktion innen vom Staub der Routa 40 und der Carretera Austral zu befreien. Alles ausräumen, entstauben, wieder einräumen. Kaum hatten wir die ersten Sachen draussen, tröpfelte es und nun sitzen wir gemütlich bei einer Tasse Kaffee im noch verstaubten Camper... und geniessen es! &lt;br/&gt;Wir wollen ja nicht undankbar sein... aber die letzten Wochen waren immer irgend etwas zwischen sehr warm und gegen Ende viel zu heiss. Dazu Staub, ein heisser Wind und zuletzt noch ganz feine Asche der nahen Waldbrände. Soll uns also niemand böse sein, wenn wir nun einen wunderschönen, angenehm kühlen Regentag geniessen.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Endlich Gelegenheit, zu versuchen den letzten Monat Revue passieren zu lassen. Nicht ganz einfach. Ohne Bilder wäre ich fast ein wenig aufgeschmissen... wir bekamen nochmals die geballte Ladung Patagonien verpasst. Und das war so...&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;...noch regnet es, Ende Dezember in Ushuaia. Noch wissen wir nicht, dass dies der letzte richtige Regentag für einen Monat sein wird. Noch freuen wir uns einfach darauf, dass es nur diesen einen Tag regnet und fahren aus Ushuaia raus, wieder hoch zur Fähre. &lt;br/&gt;Wir finden abends ein wunderbar einsames Plätzchen am Meer, wo wir beim Kaffee nach dem Essen das erste Mal auf unserer Reise durch Klopfgeräusche an der Schiebetür aufgeschreckt werden. Draussen steht ein bärtiger Mann, welcher mit schrecklichem brasilianischem Akzent auf Spanisch von einem Selbstmörder schwafelt, welcher im Begriffe sei sich in den Fluten des Meeres zu ertränken. Wir versuchen den Mann zu beruhigen, da wir diesen vermeintlichen Suizidkandidaten auf unserem Spaziergang vor zwei Stunden gesehen hatten - mit einer kompletten Fischerausrüstung inklusive Wasserhosen. Doch der selbsternannte Retter lässt sich nicht von seiner Überzeugung abbringen, ruft etwas von Polizei benachrichtigen, und braust davon. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Etwas verunsichert spaziere ich nochmals zur Bucht hinab und sehe ganz klar den Fischer in der Brandung mit Reussen hantieren. Nun erinnere ich mich an die dicken Brillengläser des aufgeregten Brasilianers und zurück im Sprinter fragen wir uns ob - und wenn ja - wann jemand kommt. Nach einer halben Stunde rumpelt der ramponierte Renault des Fischers an uns vorbei und nochmals 20 Minuten später taucht tatsächlich ein noch ramponierterer Jeep der Polizei auf, dreht eine Runde, und schaukelt wieder zur Strasse zurück. Der Fels gehört wieder uns und den Vögeln. Scheint zu funktionieren, das mit dem Notruf hier. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Im chilenischen Teil Feuerlands, so wurde uns als Geheimtip verkündet, gäbe es einen privaten Strand, auf welchem sich vor einiger Zeit Pinguine niedergelassen hätten. Nicht irgendwelche Pinguine, nein, Königspinguine. Das sind die grossen mit den hübschen gelben Puscheln am Kopf. Noch käme man einfach so an die Tiere heran, brauche nichts zu bezahlen, die Besitzer des Platzes seien nett und würden sich einfach der Tatsache erfreuen ausländischen Besuchern die Pinguine zugänglich machen zu können. Das wäre für Chile ja unerhört einmalig, also... nicht das mit den Pinguinen... aber das mit dem kostenlos und so. Also nichts wie hin.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Das Wetter stimmt. Ein mit hübschen Schäfchenwolken verzierter Himmel verschönert die langweilige Pampa, und wir beschliessen an einer Kreuzung ca. 20 Kilometer vor diesem besagten Strand etwas zu essen. Kaum haben wir den letzten Bissen unten, hören wir ein vertrautes Tuckern. Es sind Carola und Dani mit ihren 650ern, welche wir schon auf der Routa 3 und in Ushuaia getroffen haben. Sie kommen gerade von den Pinguinen und berichten uns, wie es dort wirklich läuft. Der Besitzer verlange seit einiger Zeit Geld. Ganze 25 Dollar pro Person. Links und rechts seines Strandes habe er einen Sichtschutz errichtet, so dass man die Pinguine auf seinem Stück Land nicht einfach per Tele von der Nachbarparzelle aus fotografieren könne. Reisende, welche sich über den Preis beschweren und unverrichteter Dinge wieder wegfahren würden, begegne er leicht aggressiv... &lt;br/&gt;Sie selbst haben in den saueren Apfel gebissen, das Geld hingelegt und dafür ein paar wirklich saugute Fotos dieser Pinguine geschossen, welche man sonst ausschliesslich in der Antarktis findet. Wir empören uns gebührlich über den überrissenen Preis, sehen uns mal wieder in all unseren Vorurteilen gegenüber Chilenen bestätigt und sparen uns den Umweg. Nicht wegen des Geldes, aus Prinzip. Von mir aus könnten dort die Pinguine schlittschuhlaufend einen doppelten Axel hinlegen - nicht für 25 Dollar... und wenn ich Millionär wäre... grmpffl!&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Schnell sind wir an der Fähre, erspähen mit viel Konzentration einige dieser kleinen schwarzweissen Delphine in der Bugwelle und schlagen gemeinsam mit unseren Eidgenossen ein paar Kilometer nach der Anlegestelle in der Pampa das Lager auf. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Dann ist mal wieder Kilometer fressen angesagt. Auf einer guten Strasse gleiten wir nach Puerto Natales. Erst noch durch Pampa, dann immer schöner durch hügeliges Gelände. Der Wind nimmt, wenn das noch möglich ist, zu und die ersten windgebeugten Bäume tauchen auf. Bizarre Gebilde, deren gesamte Baumkrone durch den ewigen Wind in seine Richtung gezwungen wurde. Am späten Nachmittag sind wir in Puerto Natales und überfahren auf der Plaza fast Peter. Er und Ursi sind kurz vor uns angekommen und wir gehen erst mal gemeinsam Essen. Nachdem wir danach in der neuen Touristeninformation an der Plaza mit allerlei Karten und Infos über den Torres del Paine eingedeckt wurden, gehen wir auf Grosseinkauf. Eine Woche wollen wir im Park bleiben. Wandern wollen wir, gut essen und nicht in den teuren Läden des Parks einkaufen müssen.&lt;br/&gt;Im örtlichen Supermarkt treffen wir das erste Mal auf dieser Reise auf unsere Freunde aus dem nahen Osten. Nicht dass wir sie vermisst hätten... aber das sofort wieder vertraute, laute und dominante „Schächeläbatschächem -&lt;br/&gt;schachab....“ lässt uns lächelnd an unzählige Anekdoten unseres letzten Südamerikabesuchs erinnern. Hier sind sie also wieder, und nichts hat sich geändert. Immer noch tauchen sie in Scharen auf, immer noch tragen sie lustige Harrreife in ihrer lockigen Haarpracht, also die dürren Burschen, und immer noch tragen sie das billigste Brot und den billigsten Packen Porrigde an die Kasse. Hart im Nehmen sind sie ja, die Töchter und Söhne Israels. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Wir selbst fühlen uns angesichts solcher Sparübungen leicht dekadent, als wir unseren gut gefüllten Einkaufswagen an die Kasse schieben. Aber nur sehr leicht, und nur sehr kurz. Denn wir freuen uns schon auf all die leckeren Sachen, die wir uns im Park nach anstrengenden Wanderungen kochen werden! Insbesondere auf das bisschen mehr als ein Kilo Lomo, welches ich mir vom Metzgermeister habe abschneiden lassen . Feinstes Filet am Stück, welches nach und nach in Geschnetzeltem, dann in Tacos, und als Krönung in drei Zentimeter dicken Medallions seine Verwendung finden wird. Das Leben ist definitiv zu kurz, um schlecht und billig zu essen..! &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Alles verstaut, getankt, Wasser aufgefüllt, los geht‘s. Nach ein paar Stunden taucht das Paine Massiv am tiefblauen Horizont auf. Wir glauben es fast nicht. Als ich das letzte Mal hier war, durfte ich fast eine Woche in Puerto Natales auf gutes Wetter warten, welches nie eintraf und weshalb ich den Park auch nie gesehen habe. Nun fahren wir bei bestem Wetter und einer brutal guten Sicht in den Park rein. Ausgleichende Gerechtigkeit, würde ich mal sagen. Im Park fahren wir über eine sehr, sehr schmale Brücke (Minimalisten!) zur Hosteria las Torres. Eine Luxuslodge am Fusse des Massivs. Dort gibt es zwar einen teuren Camping, wir geben uns aber auch mit dem schönen Grasparkplatz der Lodge zufrieden. Da wir die je 30 Dollar Eintritt in den Park ganz schön happig finden, beschliessen wir kurzerhand dass darin auch eine heisse Dusche mit inbegriffen sein muss. Deshalb benutzen wir ohne schlechtes Gewissen die heisse Dusche des parkeigenen Campingplatzes für welche wir nochmals je 10 Dollar hinlegen müssten. &lt;br/&gt;Dieser Teil Patagoniens, egal ob in Chile oder in Argentinien, ist kein billiges Reisepflaster. Klar muss das Geld in einer sehr kurzen Saison rein kommen, dennoch stehen Angebot, Infrastruktur und verlangte Preise in keiner sinnvollen Relation. Wir denken an die 80 Dollar, welche ein Jahrespass für sämtliche Nationalparks in den USA kostet. Und welche Infrastruktur man da benutzen kann... auch wenn das leider bald alles Geschichte sein könnte. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Bei bestem Wetter steigen wir zu den Torres hoch, tuckern durch den Park, wandern da und dort ein wenig herum und sitzen einen windigen Halbregentag in der luxuriösen Hosteria Lago Grey aus, wo wir zwei Nächte auf dem Parkplatz stehen. Da in diesen Teil des Parks keine Rucksacktouristen kommen, gehen wir beim Personal automatisch als zahlungskräftige Gringos durch und dürfen uns ungestört bei einem teuren Expresso den ganzen Tag in der Lounge mit Sicht auf den Lago Grey, Glescher und die umliegenden Berge herum lümmeln und dabei unseren Mac wieder aufladen. Als Abschluss steigen wir zum Mirador Ferrier auf, von wo wir eine sehr windige aber auch sehr schöne Aussicht auf die Gletscher Grey und Pingo haben. Perfekt!&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Nach fast einer Woche und mit stark reduzierten Vorräten verlassen wir erst den Park, dann Chile. Eine ziemlich neue Strasse führt uns durch die Pampa nach El Calafate und von dort aus zum Perito Moreno Gletscher. Geschmeidig kurven wir auf neuem Asphalt bis zu einem neuen Besucherzentrum und ich erinnere mich an die enge, löchrige Piste und den Kiesplatz vor dem Gletscher. Und dann erkenne ich gar nichts mehr. In der Zwischenzeit sind die Besucherterrassen verschwunden und haben einem Labyrinth aus eleganten Stegen aus Holz und Stahl Platz gemacht. Kilometer weit kann man auf diesen fast jeden erdenklichen Punkt rund um den Gletscher erreichen und auf zahlreichen Terrassen mit Sitzbänken den Gletscher bestaunen. Wir tun das. Und zwar ausgiebig und antizyklisch. Abends, als der Park leer und still ist, gehen wir nochmals vom Parkplatz zum Gletscher. Ist schon mal ganz eine andere Stimmung, so alleine ohne störende andere Touris. Bis um zehn Uhr abends ist es noch angenehm hell... und still. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Mit uns stehen natürlich Ursi und Peter und natürlich auch Manu und Kay auf dem Parkplatz. So klein ist Patagonien...&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Am nächsten Morgen stehen wir schon kurz nach sieben vor dem Gletscher und haben ihn nochmals alleine für uns, bis nach neun die ersten Busse ihre lärmende und aufgekratzte Ladung heran karren. Wir bleiben, bis uns am späten Nachmittag ein paar geriatrische Busladungen zu fest auf den Keks gehen und fahren weiter. &lt;br/&gt;Wieder geht es durch Pampa, wieder auf einer neuen Asphaltdecke, welche für mich eine spezielle Freude ist. Vor acht Jahren gehörte die Piste von Calafate bis El Chalten zu den schlimmsten Patagoniens. Ich erinnere mich an hirnerschütterndes Wellblech und den gebrochenen Rahmen und die herunter hängende Cockpitverkleidung am Motorrad. Tja, das war noch pures Abenteuer als noch alle 350 Kilometer etwas geschweisst werden musste. Von Puerto Natales bis Puerto Montt, fast 2000 Kilometer Schotter. Die Routa 40 so schlecht, dass die Busse nach Perito Moreno und Chile Chico einen Umweg von 1500 Kilometer über die Routa 3 machten und sich die Motorradfahrer in Ushuaia am Lagerfeuer Schauergeschichten über den knietiefen Schotter zwischen Tres Lagos und Bajo Caracoles erzählten. Alles Geschichte. Heute fährt das meiste davon auf Asphalt, den Rest auf glatt gebügeltem Schotter. Gezähmtes Patagonien... wir finden es gut! &lt;br/&gt;Klar gibt es ein paar Nostalgiker, welche über neue Strassen in Südamerika klönen und sich sogar zur Behauptung versteigen, dass damit die Romantik verloren gehe. Romantik? Hallo?! Fänden es diese Typen auch romantisch eben mal von München nach Hamburg auf einer löchrigen Wellblechpiste fahren zu müssen? Oder fänden sie es auch romantisch an einer staubigen Piste wohnen zu müssen, so dass jeder Gang zu Fuss ums Haus in einer grossen, romantischen Staubwolke statt findet? Vermutlich fänden sie es auch romantisch, ihre Fahrzeuge ständig schweissen zu lassen... also die Bewohner Patagoniens finden das mit den neuen Strassen sicher auch ziemlich blöd...&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Wir gleiten also auf einer wunderbar unromantisch neuen Strasse nach El Chalten, und auch hier ist uns das Wetter gnädig! Wieder können wir bei schönstem Wetter zum Cerro Torre wandern, stehen gemeinsam mit Ursi und Peter (Patagonien ist ja soooo klein...) auf dem Parkplatz des Trailheads und finden ein echt leckeres Restaurant. Sollte jemand demnächst nach El Chalten kommen empfehlen wir das kleine, aber gediegene „Como Vaca“, unbedingt die 300 Gramm Lomo vom Grill bestellen!!&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Nach vier Tagen ziehen wir weiter. Natürlich haben wir in El Chalten auch unsere Motorradfahrer getroffen und bieten ihnen an, auf der Strecke bis zur Carreterra Austral Benzin und Verpflegung mit zu nehmen. Es gibt zwar so alle 300 Kilometer eine Tanke, welche jedoch unter notorischem Benzinmangel leiden. Auch sonst ist auf den nächsten knapp 600 Kilometer nicht viel los. Nur zwei kleine Siedlungen, ob es da was gibt ist ungewiss. Wir selbst tanken knapp 150 Liter, damit sollten wir bis weit in die Carretera Austral kommen. Nach Tres Lagos ist Schluss mit Asphalt und wir ziehen unsere Staubfahne über eine überraschend gute Piste durch die Pampa. Ab und zu schaukeln wir mal wieder 20 Kilometer über eine schlechte Notpiste neben einer fast neuen Asphaltstrasse, meist geht es jedoch flott voran. Zwischendurch werden wir mit 50 Kilometer Asphalt belohnt (die Romantiker bestraft :-) und betanken ab und zu unsere Motorradfahrer. In der Nacht stellen sie ihr Zelt im Windschutz des Sprinters auf und wir kochen gemeinsam Ghackets und Hörnli.  Spätestens in Bajo Caracoles sind sie auch froh über den extra Sprit, kein Benzin an der örtlichen Tanke.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Nun wäre es Zeit, kurz aufs Klo zu gehen und die Schüssel mit den Chips wieder aufzufüllen... könnte noch länger werden hier. Jesses, die Carretera Austral kommt ja auch noch!&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;In Bajo Caracoles verlassen wir die Routa 40 und fahren wieder in die Anden, zum ersten befahrbaren Pass nach Chile im Süden, dem Paso Roballos. Ich habe die Strecke als wild und wunderschön in Erinnerung, und sie ist noch viel wilder und schöner! Nach einer weiteren gemeinsamen Übernachtung in der Pampa geht es nach Lago  Posadas hoch in die Berge.  In schier endlosen Kurven schnurrt unser Sprinter über den Schotter. Immer wieder müssen wir anhalten um die grandiose Landschaft zu geniessen und zu fotografieren. Schlicht der Hammer! Die Piste wurde noch vor nicht all zu langer Zeit verbreitert und ist gut geschoben. Keine Löcher, kein Wellblech, perfekt! Seit wir die Pampa verlassen haben, fahren wir durch Steingebilde in allen Rottönen. Könnte auch im Westen der USA liegen, irgendwo zwischen Capitol Reef und Zion NP... nur romantischer... aber sicher einsamer. Wir gelangen auf eine Hochebene, fahren noch über ein, zwei kleine Pässchen und dann ist es zunächst ein wenig grüner, dann grün. Irgendwo im Nichts erspähen wir eine kleine Blockhütte, den argentinischen Zoll. Schnell werden wir abgefertigt, ist ja sonst keiner da, und schon fahren wir auf einer sehr engen Piste nach Chile. Nach 10 Kilometer der chilenische Grenzposten, nicht viel grösser. Hier darf ich die Einreisepapiere für den Sprinter selbst ausfüllen, während der Zollbeamte wieder essen geht. Wir klopfen ihn nochmals vom Tisch weg, er knallt uns nicht unfreundlich die Stempel in und auf alle erforderlichen Papiere und weiter geht es. Für ihn wieder an den Mittagstisch, für uns runter an die Carretera Austral. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Nun kommen wir erst richtig in die Anden rein. Immer noch fahren wir durch die absolute Einsamkeit, entlang eines kleinen Flüsschens, vor uns eine Wolkenwand zwischen den Felswänden. Noch sind es angenehme 23 Grad, als wir in die dunklen Schwaden eintauchen. Innerhalb von wenigen Minuten sind wir in einem fröhlichen Eisregen und das Thermometer zeigt noch ganze 1.5 Grad an. Patagonien! Nach 20 Minuten ist der Spuk vorbei und wir fahren wieder unter fast klarem Himmel durch die Berge. Die Piste ist gut, die Landschaft atemberaubend und wir guter Dinge! So haben wir es wirklich nicht eilig, ins vergleichsweise hektische Zentralchile zu gelangen! Aber noch liegt ja ein guter Teil der Carretera Austral vor uns. Diese Traumstrasse Südamerikas, wenn nicht eine DER Traumstrassen weltweit. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Natürlich war es nicht die feine Art, wie Pinochet sich 1973 mit Hilfe der CIA an die Macht geputscht hat. Und das ist noch untertrieben. Viel Leid ist geschehen damals, viele Dissidenten verschwanden, andere mussten das Land verlassen und im Exil auf das Ende der Diktatur warten. Dennoch. Spricht man mit älteren Chilenen über diese Ära, gibt es wie für viele Dinge immer zwei Seiten. Und trotz aller Brutalität und Grausamkeit wäre Chile ohne Pinochet wohl nicht da wo es heute ist. Es wäre mal interessant, den Faden weiter zu spinnen... wo wäre Chile wohl heute, wäre Allende an der Macht geblieben. Ich vermute irgendwo zwischen Bolivien und Venezuela... aber das ist spekulativ. &lt;br/&gt;Fakt ist, das Pinochet das Land in nur kurzer Zeit mehr oder weniger geordnet von Nichts in das 20. Jahrhundert katapultiert hat. Und hoch anzurechnen ist ihm trotz allem, dass er das Land ohne Blutvergiessen und Bürgerkrieg in eine Demokratie überführt hat... mir fällt gerade kein Diktator des 20. Jahrhunderts ein, welcher das gemacht hat.&lt;br/&gt;Jedenfalls ist während dieser Zeit des schnellen Aufschwungs der letzten 40 Jahre etwas interessantes geschehen. Während sich die Städte und besiedelten Gebiete innert kürzester Zeit auf ein hohes Niveau katapultiert haben, blieben die ländlichen Gebiete in ihrem Dornröschenschlaf. Zwar wurden sie, wie etwa durch den Bau der Carretera Austral, mit dem Rest der Welt verbunden, erhielten eine moderne Infrastruktur wie etwa Internet, öffentliches WiFi auf dem Dorfplatz, Wasserversorgung, moderne Feuerwehrautos etc. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Aber das Bild täuscht. Fährt man nur fünf Kilometer von der Carretera Austral in ein Seitental, kann man live sehen, wie es vor 50 oder auch 100 Jahren ausgesehen haben muss in Chile. Und das ist spannend. Und das erlebt man zum Beispiel auf der Carretera Austral. Und das macht sie neben der grandiosen Kulisse so erlebenswert. Nicht nur eine Strasse durch eine grandiose Landschaft, sondern auch eine Strasse durch das ursprüngliche Chile und Patagoniens.... und wenn man den Faden weiter spinnen will... auch in Europa. Wir fahren an einem einsamen See entlang, die steilen Hänge dicht bewaldet, keine Siedlungen, nada! Nun stellen wir uns den gleichen See bei uns zu Hause vor, sieht ja ähnlich aus.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Da wäre eine Autobahn auf Betonstelzen, am gegenüberliegenden Hang ein paar Skilifte mit dazugehörenden hässlichen Schneisen im Wald, und wir selbst wären an der hübschen Promenade eines Dorfes, dessen Ausläufer sich über das ganze Ufer ziehen würden. Dazu noch ein paar Hochspannungsmasten, alle paar Minuten ein Flugzeug und auf dem Wasser drei bis vier Kurschiffe. Schon wären wir am Vierwaldstättersee... Nicht dass das schlimm wäre, so kennen und schätzen wir unsere Heimat. Ist trotzdem ganz interessant, sich die heimatliche Scholle mal bildlich ein paar Jahrhunderte zurück katapultiert vorstellen zu können.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;... äh, wo war ich? Ach ja, Pinochet und so. Aaalso... eben dieser Pinochet liess in den 70er und 80er Jahren die Carretera Austral durch den wilden Süden Chiles bauen. Zuvor waren die grössten Siedlungen nur per Schiff oder Flugzeug erreichbar. So schlug das Militär eine 1200 Kilometer lange Schneise von Puerto Montt nach Villa O Higgings durch den kalten Regenwald. Die letzten Stücke wurden in den 90ern fertig gestellt, eine junge Strasse also. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Und so ist der Tourismus auch noch nicht so ganz angekommen, in diesem Paradies. Und das mach die Gegend auch so einzigartig, wir geniessen es. Viel zu erzählen gibt es nicht, die Bilder müssen genügen! Ich könnte etwas über die grottenschlechte Piste schreiben, über welche wir ca. 600 Kilometer rumpeln. Kann man sich jedoch nur vorstellen, wenn man es selbst erlebt hat. Oder über die Stille und Einsamkeit. Die unglaubliche Kulisse aus Gletschern, Wäldern, Seen und Berge, welche alles was wir bisher gesehen haben locker auf hintere Ränge verweist. &lt;br/&gt;Am eindrücklichsten ist wohl, dass wir nach 15 Tagen auf der Carretera Austral jede Lust verloren haben, uns wieder in den „Rummel“ des Nordens zu stürzen. &lt;br/&gt;Wir werden immer langsamer, fahren mal 40, mal 50 Kilometer pro Tag. Schon lockt wieder ein wunderbares Plätzchen an einem Fluss mit Ruhe und Einsamkeit. Zwischendurch nehmen wir ein paar wunderschöne Wanderungen im NP Quellat unter die Füsse, etwa zur Laguna las Pumas, steil durch den Regenwald. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Uns grauste also davor, wieder in irgend eine Art von Rummel zu kommen und verschlauften uns nach dem Grenzübertritt bei Futaleufu gleich wieder im Nationalpark los Alerces... und übersahen dabei, dass es Samstag war. Jesses. Samstag und ein Campingplatz in Argentinien ist eine für Ruhesuchende verhängnisvolle Kombination. Argentinier sind nämlich ein ausgesprochen campingbegeistertes Volk, entsprechend gibt es im Park auch einige dutzend Campingplätze. &lt;br/&gt;Samstag, gegen Mittag wird eingetrudelt. Dann wird jeder Stellplatz erst mal mit dem Auto abgefahren, auch Argentinier machen in ihrem Leben keinen Schritt mehr, als absolut notwendig ist. Wird ein Platz als gut befunden, steigt eine Grossfamilie von ca. 15 Personen aus dem Renault Kangoo, Zelte werden ausgepackt, und das Radio eingeschaltet. Dann werden alle Türen geöffnet und das Radio „al pallo“ gedreht. Volle Kanne! Das multipliziert man nun mit 10 Familien und man hat die Geräuschkulisse. Flucht! &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Zum Glück ist der Park in dichtem Wald und wir finden ein ruhiges Plätzchen, schön abgelegen. Vier Tage bleiben wir dort, werden kurz vor dem Gipfel des Cerro Dedals abgeduscht, baden jeden Tag im See und hören von Weitem bis in die Nacht den Bässen auf den Campingplätzen zu. So, wie frühere Forscher den Buschtrommeln der Einheimischen gelauscht haben müssen. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Tja, und dann der Temperatursturz. Dramatisch. Eben noch 30 Grad, dann runter auf acht, in der Nacht nur noch vier. Heute Morgen alles weiss, frisch eingezuckert, der Park wieder leer, herrlich!&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Tja, so bricht für uns der definitive Endspurt an. Viel liegt nicht mehr an. Hoch nach El Bolson, Bariloche. Dann rüber nach Chile, ein bisschen rund um Osorno, Puerto Montt und Valdivia herum stromern, dann nochmals nach Pucon um dann rüber nach Buenos Aires zu fahren. Gibt also nochmals einen kleinen Bericht, und dann natürlich ein ausführliches Logbuch der Schiffreise nach Hamburg. Dürfte spannend werden... &lt;br/&gt;</description>
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      <title>Wieder ist ein Jahr rum...</title>
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      <pubDate>Wed, 28 Dec 2011 15:48:23 -0300</pubDate>
      <description>&lt;a href=&quot;http://www.bigbreak.ch/bigbreak/Logbuch/Eintr%C3%A4ge/2011/12/28_Wieder_ist_ein_Jahr_rum..._files/IMG_2868.jpg&quot;&gt;&lt;img src=&quot;http://www.bigbreak.ch/bigbreak/Logbuch/Media/object001_2.png&quot; style=&quot;float:left; padding-right:10px; padding-bottom:10px; width:160px; height:121px;&quot;/&gt;&lt;/a&gt;...ups, das ging ja mal wieder schnell! Gerade standen wir doch noch in Mexiko in Cancun und schwitzten uns einen ab, und schon sind wir in Patagonien... und schwitzen uns wieder einen ab. Bei ganz unpatagonischen 28 Grad geniessen wir gerade die Carretera Austral, wandern ein wenig herum und blicken auf ein ziemlich bewegtes Jahr zurück. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;War nicht immer ganz einfach. In einigen Ländern haben sie wirklich alles gegeben, um uns die Reise zu vermiesen! Aber - ätsch - hat nicht geklappt. Zum Glück gehören wir zu der Sorte, welche Rückschläge erst recht als Ansporn nehmen. Kann doch nicht sein, dass wir uns von einer popligen Kardanwelle, einem abgerauchten Relais und ein paar flinken Dieben unterkriegen lassen. Temporäre Tiefs? Ja klar, sogar sehr tief. Dann aber ganz schnell wieder hoch, denn auch dafür sorgte im letzten Jahr Südamerika. Hier ist es manchmal so schön, da kann man gar nicht lange sauer sein. &lt;br/&gt;Und... sind wir mal ehrlich... trotz all des Ärgers, ist ja nur Geld. Uns geht es blendend, wir sind gesund und wir geniessen die anderen 95 Prozent der Reise. Den Rest buchen wir als Entwicklungshilfe ab, (es soll uns also ja niemand mehr einen Einzahlungsschein schicken). &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Wir freuen uns also auf den Rest, werden hier bald über Patagonien berichten und freuen uns auf alles, was uns das nächste Jahr bringt!&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;In diesem Sinne wünschen wir allen ein äusserst ereignisreiches 2012!&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;</description>
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      <title>Villarica - Seenregion - Osorno - Bariloche - El Bolson - Valdez - Routa 3 - Tierra del Fuego</title>
      <link>http://www.bigbreak.ch/bigbreak/Logbuch/Eintr%C3%A4ge/2011/12/2_Villarica_-_Seenregion_-_Osorno_-_Bariloche_-_El_Bolson_-_Valdez_-_Routa_3_-_Tierra_del_Fuego.html</link>
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      <pubDate>Fri, 2 Dec 2011 17:12:45 -0300</pubDate>
      <description>&lt;a href=&quot;http://www.bigbreak.ch/bigbreak/Logbuch/Eintr%C3%A4ge/2011/12/2_Villarica_-_Seenregion_-_Osorno_-_Bariloche_-_El_Bolson_-_Valdez_-_Routa_3_-_Tierra_del_Fuego_files/IMG_1476.jpg&quot;&gt;&lt;img src=&quot;http://www.bigbreak.ch/bigbreak/Logbuch/Media/object001_3.png&quot; style=&quot;float:left; padding-right:10px; padding-bottom:10px; width:160px; height:121px;&quot;/&gt;&lt;/a&gt;Die meisten Leser solcher Seiten kennen das Gefühl ganz genau. Es ist ein undefinierbares Kribbeln, welches irgendwo ganz tief in der Brust beginnt und sich dann seinen Weg in das Kleinhirn bahnt. Dort wiederholt es dann einem Mantra gleich ständig „fahren, fahren, fahren...“ &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Ich spreche von der Vorfreude des Reisens, Weiterreisens, Ab - und Losfahrens. Manchmal beginnt es schon Wochen vor der Reise, während der Reise immer wieder mal am Morgen, kurz vor der Weiterfahrt und so lange es da ist, kann eine Reise eigentlich so falsch gar nicht sein. Egal was gerade passiert ist. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Verliert man diesen guten Kumpel, reist man nicht mehr. Man fährt dann einfach Strecke ab. Und das ist jammerschade um die Zeit, den Diesel und überhaupt. &lt;br/&gt;Um so grösser meine Freude, als ich nach sechs Wochen Pause beim Anblick des Sprinters mal wieder das bekannte Kribbeln spürte. Yes! Es kann weiter gehen! Nici‘s Kribbeln liess sich noch ein paar Tage Zeit, aber spätestens als wir unser erstes schöne Plätzchen mitten in den Bergen um den Lago Calafquen gefunden hatten, wurde auch sie davon wieder eingeholt. Wir sind wieder unterwegs!&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Um die Sache gemächlich anzugehen heisst unser erstes Ziel nach sechs Wochen Pause Conaripe. Nicht der Ort am See interessiert uns, sondern die Thermas Geometricas, welche 18 Kilometer weiter in den Bergen liegen. Teuer seien sie, wird uns berichtet, aber jeden Peso wert. Egal. Wir wollen unsere Kohlen sowieso schneller los werden, als sie inflationär entwertet werden. Da kommen uns so ein paar teure Thermen gerade recht. &lt;br/&gt;Wir schlucken und zahlen... und baden. Herrlich. Sollte sich mal jemand in die Gegend verirren, das ist der Platz! In einer engen Schlucht, welche an ihrem Ende mit einem reizenden Wasserfall aufwartet, wurden aus Granit dutzende Becken, zum Teil diskret verborgen, Terrassenartig angebracht und mit verschieden heissem Wasser gefüllt. Dieses ist vulkanischen Ursprungs und muss erst mal gekühlt werden, ehe man darin baden kann. Jeder findet seine Temperatur. Ich werde im Becken mit 42 Grad glücklich und geniesse den üppigen kalten Regenwald, welcher uns umgibt. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Zufrieden rollen wir weiter durch die chilenische Seenregion. Nichts, was einen aus den Socken haut, aber einfach schön! See, Berge, Vulkane und dazwischen kleine, friedliche Städte. Fast wie in der Schweiz... einfach nicht zubetoniert und mit Skiliften und Asylzentren verschandelt. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Nach einigen ruhigen Nächten an Seeufern fahren wir rüber nach Bariloche. Eigentlich würde kurz nach der Grenze eine der Traumstrassen Südamerikas abgehen. Die Strasse der sieben Seen, hoch nach Junin de los Andes und Alumine. Glasklare Gebirgsseen, schneebedeckte Gipfel und Blumenmeere würden uns hier erwarten. Würden. Wenn nicht seit Monaten der Vulkan Peyehue auf der chilenischen Seite intensiv Asche über die Grenze spucken würde. Diese hat die ganze Region mit einer zum Teil meterhohen Ascheschicht überdeckt und alles darunter erstickt. Regelmässiger Zyklus für die Natur - eine Katastrophe für die Bewohner dieser vom Tourismus und Landwirtschaft abhängigen Region!&lt;br/&gt;Kurz vor der Grenze sehen wir den Übeltäter. Hunderte Meter hoch türmt sich die Aschewolke welche er ausspeit. Ein Spektakel! Mehr und mehr verändert sich auch die Landschaft. Oder besser gesagt, das Erscheinungsbild derselbigen. Wir sind fasziniert und entsetzt zugleich. Es ist wie wenn man durch eine tief verschneite Landschaft fährt. Nur ist es kein Schnee, sondern Asche. Tonnen über Tonnen von Asche, welche da liegen. Wir sehen Häuser, deren Dächer unter dem Gewicht der Asche nachgegeben haben und Seen, deren Oberfläche durch die Asche bedeckt ist.&lt;br/&gt;Nach einer schnellen Grenzabfertigung fahren wir nach Villa la Angostura, dem Davos Argentiniens. Scheisse... schnell weiter. Ich erinnere mich, wie es hier vor dem Vulkanausbruch ausgesehen hat und es schaudert mich. Der Touristenort ist grau in grau, die Leute gehen mit Atemmasken auf die Strasse und überall räumt das Militär in einer Sisyphusarbeit die Asche Lastwagenweise weg. &lt;br/&gt;Richtung Bariloche wird es langsam besser, aber erst ca. 40 Kilometer südlich der Stadt sind wir die Asche los. Also etwa 200 Kilometer Luftlinie vom Vulkan. Die Asche selbst findet man in ganz Argentinien, bis Buenos Aires. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Einmal aus der Asche draussen, geniessen wir die Landschaft in vollen Zügen. Berge, Seen, Wälder, als ob sich Kanada hier spiegeln würde! In El Bolson, einer Aussteiger - und Hippiestadt, besuchen wir den Artesaniamarkt. Und sind erst mal überrascht. Bisher fanden wir keinen der Märkte zwischen Mexiko und Argentinien wirklich prickelnd. O.k... ein paar schöne Stücke hatte jeder zu bieten, aber Kreativität ist etwas anderes. Vor allem verstanden wir nicht, dass auf wirklich grossen Artesaniamärkten alle, aber wirklich alle das gleiche verkaufen. Hier ist es anders. Wir bummeln von Stand zu Stand und sind echt begeistert. Sogar ich. Leider sind wir ein wenig zu spät und der Markt wird langsam abgebaut. Egal. Wir kommen auf dem Rückweg hier nochmals vorbei. Dann werden es nur noch wenige Wochen bis zur Verschiffung sein und ich verspreche Nici, dass sie dann den Karren bis unter das Dach mit Souvenirs füllen darf. Mit einer über diese Aussicht über die Massen glücklichen Nici fahren wir in das nahe Lago Puelo.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Dort finden wir ein traumhaftes Plätzchen am Fluss und bleiben gleich zwei Nächte. Tagsüber irren wir dank der fachkundigen Wandertips der örtlichen Touristeninfo stundenlang in den Hängen herum und bestaunen die Aussicht über die Bergwelt der Anden. Was soll‘s, Hautpsache Bewegung!Nach weiteren wunderschönen Kilometern verabschieden wir uns bei Tecka von den Anden und queren die Pampa an die Atlantikküste. Was auf der Karte langweiliges Kilometerfressen verspricht, entpuppt sich über weite Strecken als aufregende und schöne Landschaft. Wir fahren durch rote Canyons, dann mal wieder über ein Hochplateau und finden einen wunderbar einsamen Übernachtungsplatz in bizarrem Felsgewirr. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;In Trelew wird die Einsamkeit durch die Hektik einer Provinzhauptstadt jäh unterbrochen. Ein aggressiver Verkehr umschliesst uns und wir fühlen uns seit Monaten mal wieder zurück erinnert an den Verkehr Kolumbiens oder Perus. Nicht ganz so schlimm, aber hektisch genug. Schliesslich finden wir unser Ziel, das Prähistorische Museum der Stadt. Hier treffen wir Carmen und Urs, welche für drei Monate ihren russischen GAZ mitsamt Hund nach Südamerika gebracht haben. Bei einem gemeinsamen Mittagessen finden wir heraus, dass wir alle branchenverwandt arbeiten und somit über den gleichen Galgenhumor verfügen. Passt. Gemeinsam verbringen wir die nächsten Tage in Puerto Madryn und auf der Halbinsel Valdez. Und gemeinsam gehen wir dort auch Wale gucken. Das ist nämlich einer der Hauptgründe, überhaupt dort hin zu fahren. Jeden Frühling tummeln sich die friedlichen Riesen im Golfo Nuevo um sich dort zu paaren, gebären und unheimliche Mengen an Futter zu vertilgen. Die brauchen sie auch um sich einen anständigen Fettvorrat für ihre geheimnisvolle Reise um den Globus anzutreten. &lt;br/&gt;Natürlich kann man eine Tour buchen und das tun wir auch. Und wir sind begeistert. Das Boot bringt uns nur in die Nähe der Walweibchen welche hier mit ihren Jungen unterwegs sind, sie selbst kommen dann zu uns. Neugierig beäugen sie uns immer wieder mal von Nahem, um dann wieder unter dem Boot abzutauchen. Wow! &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Eine Tour der anderen Art treffen wir auch in Valdez. Mit uns rollt dort ein funkelnagelneuer Camper nach dem anderen auf den Campingplatz bis man sich dort auf dem Caravan Salon 2012 wähnt. Es sind die 19 Camper aus der Schweiz, Deutschland und den Niederlanden einer geführten Tour durch Süd - Mittel und Nordamerika. Seabridge, eine deutsche Firma organisiert das. In 180 Tagen durch Süd - und Mittelamerika, dann durch Mexiko bis Arizona. Dort ist Schluss und jeder kann selbst weiter reisen. Das ganze ist natürlcih geführt, mit Guide und täglichem Meeting und Infos für den nächsten Tag. Jeder Campingplatz vor reserviert, manchmal auch die Restaurants. Das ganze kostet 10 000 Euro pro Person. OHNE Verschiffungen, Diesel, Mahlzeiten, Übernachtungen.... also alles was wir auch bezahlen müssen. Eine sichere, wenn auch nicht ganz günstige Art des Reisens in unbekannten Gefilden für den begüterten Rentner. Das sind sie nämlich alle... also begütert und Rentner. Auch eine Art des Reisens und vermutlich für diese Zielgruppe die einzig richtige um Südamerika auch geniessen zu können. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Wir fahren selbst weiter. Runter nach Camarones und zur Bahia Blanca. Dort, abseits der Touristenströme, liegt eine kleine aber feine Pinguinkolonie. Und die besuchen wir. Ganz alleine sind wir in dem kleinen Nationalpark und haben die Pinguine für uns alleine. Putzig sind sie ja wirklich, die eher kleineren Magellanpinguine. Wir staunen, wie die Pinguine die Landschaft hinter den Dünen besiedelt haben. Hunderte von verschissenen Löchern sind über die Ebene verstreut, und dort wächst nichts mehr. In jedem Loch sitzt ein Pinguin auf den Eiern des Nachwuchs, dessen Schlüpfen wir scheinbar nur um einige Tage verpassen. Darüber kreisen wachsame Seevögel und diverse aufgebrochene Eier zeugen von ihren Erfolgen. Wir finden die Pinguine auch ohne ihren Nachwuchs putzig, finden einen Traumhaften Platz in einer einsamen Bucht und machen uns weiter auf Achse. Nach Süden. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Die Routa tres, die drei, zieht sich von Buenos Aires über 3000 Kilometer entlang des Atlantiks bis nach Ushuaia und von dort aus weiter in den Nationalpark Tierra del Fuego wo sie an der Bahia Lapatia endet. Dort wollen wir hin und zwischen uns und der Bahia liegen nur knapp 2000 Kilometer, eine Fähre und drei Hörbücher. Immer weiter liegen die Städte auseinander. Wir fahren an Comodoro Rivadavia vorbei, dann lange nichts mehr bis Puerto San Julian, dann  Rio Gallegos wonach uns nur noch die Magellanstrasse von Feuerland trennt. Unendliche Weiten durchqueren wir und für uns als Schweizer ist es fast unvorstellbar, dass wir hier nicht an Niemandsland vorbeifahren, sondern an Farmen. Hier Estancias genannt wurden sie von Engländern, vornehmlich Walisern und Schotten, ein paar Deutschen und noch weniger Italienern in Besitz genommen, als das junge Argentinien besiedelt wurde und Land fast gratis zu haben war. Lange Zeit bescherte die Schaf - und Viehzucht den Besitzern unendlichen Reichtum. Vor allem als während des zweiten Weltkriegs die alliierten Truppen mit Corned Beef beliefert werden mussten. Doch der Zerfall des Fleisch - und Wollmarkts und der Zusammenbruch der argentinischen Wirtschaft 2002 beendeten auch die Blütezeiten der Estancias. Heute sind viele auf Tourismus umgestiegen, viele weitere Estancias wurden aufgegeben. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Noch etwas ist hier speziell. Seit wir in Trelew auf die Routa 3 stiessen befinden wir uns in einem Strom von Campern aus Europa. Was bis vor ein paar Jahren nur einige wenige wagten, scheint mächtig in Mode gekommen zu sein. Für ein paar Monate seinen Camper nach Südamerika zu verschiffen, mal eben nach Ushuaia zu fahren und dann vielleicht noch hoch nach Cuzco und wieder zurück nach Buenos Aires. Warum auch nicht. Wir finden es gut, denn so viele Bekanntschaften haben wir während unserer Reise manchmal wochenlang nicht gemacht.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Da stehen wir also endlich an der Magellanstrasse und warten auf die Fähre. Kurz widmen wir uns dem Gedanken, dass wir soeben den Südamerikanischen Kontinenten von Nord nach Süd gequert haben. Ich finde es ein wenig krass und gönne mir eine bewegte Sekunde. Nici findet das nicht so wichtig. Also fahren wir auf die Fähre und setzen rüber nach Feuerland.&lt;br/&gt;Um hier rüber zu kommen mussten wir erst mal kurz über die Grenze nach Chile einreisen. Irgendwie haben es die beiden Länder geschafft, sich die Gegend hier unten irgendwie komisch auf zuteilen was für Reisende irgendwie mühsam ist. Sie haben es nämlich irgendwie auch nicht geschafft, einen Transitkorridor zu errichten, so dass man um nach Ushuaia zu gelangen zwei Mal die ganze Grenzprozedur des Zolls absolvieren muss. In unserem Fall an einem Tag, innerhalb von nur fünf Stunden... irgendwie doof! &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Dann, endlich. Ein Baum. Ein Zweiter, ein Wäldchen. Erst nur verkrüppelte Dinger, mehr Büsche, dann immer mehr richtige Bäume und Wälder. Im Hintergrund tauchen verschneite Bergketten auf, welche schnell näher kommen. Dann eine Kehre und wir stehen am Lago Fagnago. Wow. Hier tauchen wir in eine wunderschöne Berglandschaft ein und kurven über Pässe und durch Täler bis wir an einer langgezogenen Bucht vor einer Stadt stehen. Ushuaia. Die südlichste Stadt, welche man anfahren kann. Und das Ende der Panamericana. Nicht, dass es unser erklärtes Ziel war... aber irgendwie ist es nett, hier zu sein. Auch wenn es nur ein geografischer Wegpunkt ist, von hier aus geht es nur noch nach Hause. So empfinden wir es jedenfalls, auch wenn das noch drei Monate hin ist. &lt;br/&gt;Auf dem Campingplatz treffen wir auch alte Bekannte wieder, die wir das erste Mal in Skagway, Alaska und das letzte Mal in Ecuador getroffen haben. Ursi und Peter die mit ihrem Ford Wohnmobil pannenfrei nach Ushuaia gekommen sind. Noch regnet es, typisch für Ushuaia, aber wir geniessen einen schönen Abend im Wohnmobil der beiden. &lt;br/&gt;Und noch etwas erinnert uns an Alaska... es ist wieder bis kurz vor 2300 Uhr hell! Wie wir das geniessen! Vermutlich sind wir immer noch ein wenig Äquatorgeschädigt, dort freuten wir uns ja schon wenn wir durch eine Zeitverschiebung bis 1800 Uhr Licht hatten...&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Dann ab in den Park! Mit 32 Dollar für zwei Personen nicht ganz billig, dafür darf man zwei Nächte im Park bleiben. Ist zwar immer noch happig, wir fahren dennoch hin. Zum Glück. Der Park ist schlicht der Hammer und gut organisiert. Endlich können wir mal wieder so richtig los wandern. Erst auf kurzen Trails, der Park ist auf Kurzbesucher ausgelegt. Ein Schmankerl hält er jedoch für uns bereit. Den Cerro Guanaco, genau auf 1000 Meter und somit fast genau so viele Höhenmeter zu besteigen, 970 nämlich. Eine der schönsten Wanderungen der Reise... und eine der schönsten überhaupt. Steil steigt der Weg durch verwunschene Wälder auf eine kleine Hochebene wo ein wunderschönes Moor liegt. Dann endlich mal wieder über eine Geröllhalde stetig dem Gipfel entgegen. Eine sehr einfache Wanderung, aber ein unschlagbares Panorama über die Bucht von Ushuaia, die Bucht von Lapatia und sämtliche Seen und Lagunen des Parks! &lt;br/&gt;Wir können es kaum glauben, dass wir uns einen solchen Tag ausgesucht haben, oder der Tag sich uns ausgesucht hat. Bis wir wieder unten sind wandern wir bei blauestem Himmel und bester Fernsicht. Unten spreche ich mit einem Parkranger, welcher uns bestätigt dass solche Tage hier eher selten seien. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Jetzt gerade regnet es wieder. Auch egal. Ich sitze im gemütlichen Aufenthaltsraum des Campings des Club Andinos und blicke über Ushuaia und den Beagle Kanal rüber nach Chile. Morgen fahren wir wieder hoch und zurück auf das Festland. Dort erwarten uns der Torres del Paine Park, der Gletscher Perito Moreno und die spitzen Türme des Fitz Roy Massivs. Dann ein paar holprige Kilometer Routa 40 bis wir wieder auf einer der Traumstrassen fahren werden. Der Careterra Austral, welche uns wieder in den Norden Patagoniens bringen wird. Noch bleiben uns drei Monate, mehr als genug um dies alles gemütlich zu besuchen, abzufahren und darüber zu berichten.</description>
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      <title>KM 55 730 - Ushuaia</title>
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      <pubDate>Sun, 27 Nov 2011 11:13:17 -0300</pubDate>
      <description>&lt;a href=&quot;http://www.bigbreak.ch/bigbreak/Logbuch/Eintr%C3%A4ge/2011/11/27_KM_55_730_-_Osorno_-_Bariloche_-_Valdez_-_Ushuaia_files/IMG_1529.jpg&quot;&gt;&lt;img src=&quot;http://www.bigbreak.ch/bigbreak/Logbuch/Media/object002_1.png&quot; style=&quot;float:left; padding-right:10px; padding-bottom:10px; width:160px; height:121px;&quot;/&gt;&lt;/a&gt;Wir sind in Ushuaia. Die südlichste Stadt der Erde, die man einfach mal so anfahren kann und wo man bequem auf einem Campingplatz die letzen 17 Monate Revue passieren lassen kann. Zwei Verschiffungen, 28 Grenzübertritte, 16 Länder, einige Hochs und Tiefs, zwei Camper und unzählige wunderbare Landschaften, Begegnungen und Erfahrungen. Das so mal die ganz grobe Bilanz der bisherigen Reise. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Die Rückreise ist gebucht. Am 27. Februar 2012 oder so werden wir uns auf die Grande America einschiffen, welche uns dann in ca. drei bis vier Wochen nach Hamburg zurück bringt. Dort schliesst sich dann der Kreis endgültig, dann geht es wieder zurück in die Schweiz. JESSES! &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Aber noch bleiben uns drei Monate und einige Höhepunkte auf dem Weg zurück nach Buenos Aires. Eine gute Zeit wird das sein, denke ich. Rückblick auf eine intensive Zeit des Reisens und Ausblick auf eine intensive Zeit des Wiedereinstiegs ins neue alte Leben. Spannend auf jeden Fall!&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Dies mal für den Moment. In Kürze werde ich hier den Bericht und ein paar Fotos über die letzten Wochen einfügen. Wir gehen jetzt erst mal schön ein paar Brocken Gegrilltes essen...</description>
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      <title>Vom Auswandern...</title>
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      <pubDate>Fri, 21 Oct 2011 19:10:29 -0300</pubDate>
      <description>&lt;a href=&quot;http://www.bigbreak.ch/bigbreak/Logbuch/Eintr%C3%A4ge/2011/10/21_Vom_Auswandern..._files/IMG_0206.jpg&quot;&gt;&lt;img src=&quot;http://www.bigbreak.ch/bigbreak/Logbuch/Media/object000_2.png&quot; style=&quot;float:left; padding-right:10px; padding-bottom:10px; width:160px; height:121px;&quot;/&gt;&lt;/a&gt;Wer träumte nicht auch schon davon! Ein Häuschen am Waldrand, vor einem eine fantastische Aussicht auf einen Vulkan, kein Autobahnrauschen, keine Nachbarn, keine Bauvorschriften, mindestens fünf Hektaren eigenes Land, kein Jeffe mehr... muss irgendwie fantastisch sein. Und irgendwie bietet sich eine solche Reise formidabel dazu an, an besonders schönen Orten kurz inne zu halten und sich zu sagen: „Mann, das wäre doch ein schönes Plätzchen...“&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Auf meiner letzten Reise durfte ich schon mal auf Probe auswandern. Irgendwie schaffte ich es für einige Monate in Chile hängen zu bleiben und dort an einem Strohballenhaus mit zu werkeln. Nebenbei half ich eine Hospedaje zu betreiben und Möbel zu bauen und lernte dabei den Unterschied zwischen einem Land zu bereisen - und in einem Land zu leben. Gott sei dank!&lt;br/&gt;Danach ist mir die Lust am Auswandern ein bisschen vergangen. O.k, ich hätte eh kein Geld mehr dafür gehabt. Danach reichte es gerade noch für drei Monate Brasilien, ein bisschen Uruguay und die Verschiffung nach Hause.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Aber wie es so ist, nach ein paar Jahren in der Schweiz bleiben die schönen Erinnerungen und man beginnt wieder vom Häuschen mit der Aussicht auf den Vulkan zu träumen. &lt;br/&gt;Es wird einem in der Schweiz auch leicht gemacht, die schönen Seiten und Vorzüge unseres wunderschönen Landes in den Hintergrund treten zu lassen. Unkontrollierte Migration, enges Zusammenleben, Fantasiepreise für Baugrund, Dauerstau und eine Flut von Reglementierungen für jeden Belang des täglichen Lebens sind - für mich jedenfalls - massive Minderungen in meiner Lebensqualität. Wirft man noch ein paar desolate Akw‘s, Islamische Fundis, unseren Bundesrat und eine kleine Finanzkrise in die Waagschale wird die Idee vom Auswandern plötzlich ziemlich attraktiv!&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Mit diesem Hintergrund versuchten wir gewisse Teile Chiles nicht nur zu bereisen, sondern als potentielles neue Heimat nochmals kräftig zu beschnuppern. Da sind wir nicht alleine. Ca. 400 Deutsche Staatsbürger wandern im Schnitt jährlich nach Chile aus, auch Amis verlassen vermehrt das sinkende Schiff und zügeln nach Chile und die Schweizer hocken eh überall auf der Welt und betreiben Hotels oder machen Käse. Das Land lockt mit tiefen Bodenpreisen, lockeren Bauvorschriften, einer (noch...) intakten Umwelt, einer bombensicheren Wirtschaft und einer Staatsverschuldung von 7%. Zudem ist es hier sicher, die Infrastruktur ist nahezu europäisch und die Korruption hält sich im Rahmen. Dank grosser Schweizer und Deutscher Gemeinden mit ihrer Infrastruktur muss man weder auf die frische Brezel noch auf das Fondue verzichten. &lt;br/&gt;Ideale Voraussetzungen, um hier Fuss zu fassen. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Also tingeln wir so in diesem wunderschönen Chile herum, sprechen ein wenig mit den Leuten hier, ein wenig da und sammeln so viele Eindrücke und Stimmen wie möglich. Der output ist - gelinde ausgedrückt - ernüchternd. Der Grossteil aller ausgewanderten Schweizer und Deutschen kehren nach ca. 15 Jahren zurück. Genervt, desillusioniert, heimatlos und meist auch pleite. Sogar Chilenen mit deutschen Wurzeln sind von ihren Landsleuten zuweilen so angenervt, dass sie sich überlegen, wieder in Deutschland zu leben.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Warum ist das so? Was macht es aus? Wo sind die Haken? Ist doch so schön hier! &lt;br/&gt;Nach langem und reiflichem Überlegen und vielen, vielen Gesprächen haben wir einfach mal alle pros und contras in die Waagschale geworfen - und siehe da: &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Pros:&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;	-	Wunderschöne Natur, Einsamkeit, Wildnis und alles was dazu gehört.&lt;br/&gt;	-	Gute Wasserqualität, genügend Wasser.&lt;br/&gt;	-	Nur wenige AKW‘s, Argentinien hat drei, Chile keines.&lt;br/&gt;	-	Billiges Land, erschlossene Hektar ca. 30 Minuten von der nächsten Stadt entfernt kostet zwischen 5000 und 20 000 Dollar.&lt;br/&gt;	-	Fast keine Bauvorschriften.&lt;br/&gt;	-	Gute Infrastruktur, grosse Malls mit allem gibt es in jeder Stadt.&lt;br/&gt;	-	Noch keine Akademisierung der Gesellschaft, man kann sich noch unzertifiziert verwirklichen und darf hier wirklich noch ohne abgeschlossenem Studium und MBA ein Business eröffnen. Wirklich! &lt;br/&gt;	-	Wirtschaftsfreundliches Umfeld, die Bürokratie hält sich im Rahmen.&lt;br/&gt;	-	Boomender Tourismus, vor allem der chilenische Mittelstand gibt gerne viel Geld für Ausflüge und Urlaub aus, wenn die Qualität stimmt. Und die bekommt er nur beim Gringo - ergo sicheres Business für dieselbigen.&lt;br/&gt;	-	Im Vergleich zu Europa niedrige Kriminalität, Grossstädte ausgenommen, da ist es gleich wie in Europa...&lt;br/&gt;	-	Sichere Wirtschaft, Kupfer für die nächsten 200 Jahre&lt;br/&gt;	-	Keine unkontrollierte Migration, keine Parallelgesellschaften extremer Islamisten, keine 250 000 Kosovaren wie in der Schweiz (echt im Fall, das fällt richtig auf. Ist richtig friedlich hier, Jugendliche gehen nachts aus ohne überfallen zu werden, der Verkehr ist diszipliniert...)&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Das wäre ja alles schön und gut, aber da sind noch ein paar kleine... &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Contras:&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;	-	Weit, weit weg! Mal ehrlich, wer kommt einen schon nach Chile besuchen?!&lt;br/&gt;	-	Keine Freunde. Das ist wohl fast das Härteste hier. Das sozialising ist zwar einfach und wenn man spanisch spricht lernt man in kürzester Zeit unheimlich viele nette Leute kennen, die einem alle zum Asado einladen wollen. Man darf nur nicht den Fehler begehen, dies als Freundschaft misszuverstehen. Chilenen mit ein wenig Geld lieben es einerseits sich mit europäischen Bekannten zu schmücken und sind anderseits sehr, sehr oberflächlich. Ich kenne hier in Chile keine Europäer oder Amis die einen Chilenen WIRKLICH als einen Freund nennen, einen der immer und für alles da ist!&lt;br/&gt;	-	Bleiben die Landsleute. Na ja. Meist Zweckgemeinschaften ausgewanderter Europäer, welche ein nützliches und verlässliches Netz bilden. Hier WIRKLICHE Freunde zu finden ist pures Glück. Meist enden Zusammenkünfte solcher Expats in einstimmigem Gejammer über die Chilenen und ihre Unzulänglichkeiten. Ok, manche Storys sind wirklich unglaublich... &lt;br/&gt;	-	Machismo. Für uns Böcke geht das ja noch, da kann man mithalten, wenn man will. Für gebildete, selbstbewusste noch nicht zum Islam konvertierte Europäerinnen ist es doppelt hart. Sie werden hier nie richtig wahr - und noch weniger ernst genommen. Für Latinos haben die Frauen nur nett auszusehen und heiss Merengue zu tanzen. Müssen sie eine Frau als Duena akzeptieren sprechen sie ihr sofort jegliche Weiblichkeit ab und sehen in ihr nur einen despotischen Drachen. Keine einfache Ausgangslage für Europäerinnen...&lt;br/&gt;	-	Heimatlosigkeit. Ich gehöre nicht gerade zu denen, welche fest mit der Scholle verbunden sind. Dennoch fühle ich mich unter Schweizern in der Schweiz manchmal sogar so etwas wie zu Hause. In Chile werde ich auch nach 30 Jahren noch der „Suizo“ sein. Ist ja auch normal, geht den Ausländern in der Schweiz genau so, mit allen Begleiterscheinungen, welche uns nur zu bekannt sind.&lt;br/&gt;	-	Das Essen... man möge es mir verzeihen... aber die Chilenische Küche ist so was von für‘n Arsch! Kulinarische Höhenflüge beschränken sich für Chilenen auf überladene Hot Dogs (Completo), fettiges Lammfleisch (Asado), Cazuela (ordinärer Eintopf) und Onze (Fünf - Uhr Zwischenmahlzeit bestehend aus einem Mix aus Sandwiches, Kuchen und was sonst noch so rumliegt)&lt;br/&gt;	-	Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Qualitätsarbeit, Kontinuität, Ehrlichkeit, Plichtgefühl, Mitdenken... sind alles Dinge von welchen man sich verabschiedet, wenn man nach Chile auswandert.... was ja irgendwie auch wieder eine Krux ist, da man ja gerade diese Eigenschaften die Schweiz oder Deutschland einerseits so angenehm und anderseits so anstrengend machen.... Aber beim Häuslebauen habe ich schnell gemerkt, dass ich aus meiner Haut nicht raus kann und mich die chilenische Auffassung von Perfektion ganz perfekt und in Rekordzeit zur Weissglut treibt! Wie soll das nach fünf, zehn, zwanzig Jahren gehen?! &lt;br/&gt;	-	Stichwort Kontinuität... kristallisierte sich komischerweise als wichtigste fehlende Eigenschaften der Chilenen heraus. Warum? Wenn man als Europäer nicht mit ein oder zwei Millionen Dollar in Forstwirtschaft oder so investieren kann bleibt eigentlich nur der Tourismus oder etwas kulinarisches, Bäcker, Metzger oder dergleichen. Hier ist man vor allem auf eine kontinuierliche Qualität der Zulieferer, des Produktes derselben und auf langjährige, zuverlässige Arbeiter angewiesen. Ausser man will alles selbst machen, was die meisten auch tun. Es ist zum Verzweifeln. Ein Jahr kriegt man eine super Qualität, im nächsten Jahr gibt es den Zulieferer nicht mehr oder man kriegt nur noch den Ausschuss. Erbt ein langjähriger Mitarbeiter so viel Geld, dass er drei Monate nicht mehr arbeiten muss, ist er von einem Tag auf den andern weg. Hat der eben angelernte Ersatz keine Lust mehr für den Gringo zu schuften ist er von einer Minute auf die andere weg. Dies sind die Negativpunkte, welche man von Expats in Südamerika am meisten hört. Verständlich, mich würde das in den Wahnsinn treiben.&lt;br/&gt;	-	Abhängigkeit vom Tourismus. Eine kleine Finanzkrise, ein Vulkanausbruch oder ein Erdbeben, schon kommt keiner mehr. &lt;br/&gt;	-	„Der Chilene ist dann ein glücklicher Mensch, wenn er gerade einen so richtig schön übers Ohr gehauen hat.“ Das stammt nicht von mir, sondern von Europäern - und Chilenen die ich kenne und lange hier lebten. Das deckt sich auch mit vielen eigenen Erfahrungen... ich glaube sie meinen es nicht mal böse... ist hier einfach so eine Art Volkssport. Dabei ist es völlig unerheblich ob sie einen Gringo - oder einen Landsmann bescheissen. &lt;br/&gt;	-	Zweiklassen Bildungssystem. Will man seinen Kindern eine gute Ausbildung angedeihen lassen, ist man gezwungen sie auf eine dieser sündhaft teuren und elitären Deutschen oder Schweizer Schulen zu schicken. Natürlich gibt es die mit wenigen Ausnahmen nur in grossen Städten, also wieder nichts mit abgelegenem Haus und der Sicht auf den Vulkan...&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Fazit? Wir wären wohl sofort dabei, wenn wir hier auf Zeit - sagen wir drei bis fünf Jahre - unsere Zelte aufschlagen. Blöd nur, dass dafür alle unsere Ersparnisse drauf gehen und wir danach in der Schweiz definitiv den Anschluss verpasst haben. Nicht gerade prickelnde Aussichten für Leute die nicht von der Sozialhilfe leben wollen.&lt;br/&gt;Also haben wir uns vorläufig mal von der Idee des Auswandern verabschiedet und fahren brav nach Hause wo wir spätestens in drei Jahren wieder vom abgelegenen Haus und der Sicht auf den Vulkan zu träumen beginnen!&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;</description>
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